• Joachim Materna & Ellen Kuhn

Südsee ist nicht gleich Südsee - Einblicke ins Paradies

Aktualisiert: Jan 2


Palmen gesäumter weisser Sand. Türkis-blaues, den Körper umschmeichelndes warmes Wasser. Bunteste Fische zwischen farbigen Korallen. Maximal entspannt lächelnde, schokobraune Insulaner. Dazu Namen wie Bora Bora, Rarotonga, Samoa, Raiatea oder Atutaki. Tauchen da nicht ganz automatisch in der Vorstellung fast jedes Menschen Bilder auf, die man landläufig mit dem Begriff „Paradies“ verbindet? Und verinnerlicht der Begriff „Südsee“ nicht für die meisten von uns die Verwirklichung heimlicher Träume?

Dabei ist die sagenumwobene Südsee eigentlich gar kein geographisch exakt umschriebenes Gebiet. Sie umfasst eine riesige Fläche im Südpazifik und beinhaltet ganz unterschiedliche Inselgruppen.

Am bekanntesten sind die Inseln Polynesiens, die von Hawaii im Norden, Neuseeland im Südwesten und der Osterinsel sowie den Galapagos-Inseln im Osten dreiecksförmig begrenzt werden, wobei alle vier zu Polynesien dazugerechnet werden.

Zur erweiterten Definition der Südsee zählen viele auch Melanesien, dessen Inseln nordöstlich von Australien liegen, und Mikronesien, dessen mehr als 2000 Inseln und Atolle auf einer riesigen Fläche im westlichen pazifischen Ozean verstreut sind.

Niemand kann und will sich während seiner lang ersehnten Südsee-Reise immer nur an seinem Traumstrand-Abschnitt aufhalten, möge er auch noch so paradiesisch sein. Deshalb sollte man wissen, was einen drumherum erwartet, um die richtigen Erwartungen zu haben und somit Enttäuschungen vorzubeugen. Vor allem muss man gleich zu Beginn einem weiterverbreiteten Irrtum vorbeugen - die Südsee-Inseln sind nicht mit den Malediven vergleichbar.

POLYNESIEN.

Auf einer Meeresfläche von mehr als 50 Millionen Quadratkilometern verteilen sich eine Reihe unabhängiger Inselstaaten wie zum Beispiel Samoa, Tonga, Cook-Inseln und natürlich Neuseeland. Als Überbleibsel aus den Zeiten des Kolonialismus sind viele andere polynesische Inseln jedoch bis heute nicht selbständig, sondern Teil anderer Staaten. Hawaii ist bekannterweise der 50. Bundesstaat der USA. Französisch-Polynesien ist ein Überseeland Frankreichs, genauso wie Amerikanisch-Samoa ein Überseeterritorium der USA und die Pitcairninseln ein Überseegebiet Großbritanniens sind. Die Osterinsel ist ein Teil Chiles, die Galapagos gehören zu Ecuador. Viele polynesischen Inseln sind bis heute unbewohnt.

Die Kenntnisse der politischen Rahmenbedingungen sind extrem hilfreich, da sich daraus im Verlauf der Geschichte auch unmittelbare Einflüsse auf die Kultur der einheimischen Bevölkerung ergeben haben, die heutzutage mal sehr penetrant, mal eher diskret den Charakter jeder einzelnen Insel prägen.

In Französisch-Polynesien ist der jahrelange Einfluss der Franzosen vor allem auf der Hauptinsel Tahiti und insbesondere in der Hauptstadt Papeete unverkennbar. Die ureigene Gechilltheit der indigenen Bevölkerung hat sich über die Jahre mit dem französischen Laissez-faire zu einer verhängnisvollen Trägheit vereinigt, die aus den früher so sportlichen, zugewandten und freundlichen Tahitianern leider allzu oft übergewichtige und übellaunige Zeitgenossen gemacht hat. Verlässt man Papeete und fährt in das tiefgrüne und bergige Hinterland oder auf Nachbarinseln wie Mo’orea werden diese Eigenarten oft schon besser. Je abgelegener eine der 118 Inseln irgendwo in den 5 polynesischen Archipelen gelegen ist (zu denen neben den Gesellschaftsinseln rund um Tahiti auch die Marquesas gehören), desto mehr Ursprünglichkeit kann man erwarten.

Diese Ursprünglichkeit, die man dann zum Beispiel auf Tetiaroa, Huahine und Raiatea findet, ist jedoch eine andere als die, die man von Bildern von Paul Gauguin kennt. Die Bevölkerung lebt zwar meist in einfachen Hütten, aber überall entstehen immer mehr Unterkünfte für Gäste bis hin zum Luxusklasse-Hotel. Natürlich möchte jeder sein Stück vom Tourismus-Kuchen abbekommen.

Für den einen mag das verständlicherweise abschreckend oder gar schockierend sein, wenn er Ursprünglichkeit mit einer idealisierten Unberührtheit gleichsetzt und die einfache Stroh- oder Palmdach-Hütte als Unterkunft anstrebt. Andere haben dagegen den sicherlich ebenso berechtigten Wunsch, auch im Südsee-Urlaub jeden Luxus zu geniessen, den man sich auch sonst gönnt.

In Anbetracht der Umweltbelastungen mit Müllverschmutzung auf den Inseln und an den Stränden behaupten Zyniker, dass es die Traumbilder, die über Polynesien rund um die Welt gehen, eh nur in den von Menschenhand geschönten Resorts gibt.

Für alle Reisende auf hohem bis höchstem Niveau gibt es in Polynesien zwei Top-Destinationen - Bora Bora und Brando Island.

Gerade auf Bora Bora findet man wirklich alles genau so vor, wie man es sich erträumt hat. Landung auf dem kleinen Flughafen draussen auf der Koralleninsel im nördlichen Teil des Atolls. Fahrt mit dem Wassertaxi durch die türkis-blaue Lagune zum 5-Sterne-Resort. Wohnen im Wasserbungalow mit Glasfenster im Fussboden, durch das man permanent die vielen bunten Fische beobachten kann, wenn man nicht gerade selbst von der eigenen Terrasse in dieses Aquarium springt. Und das Ganze mit einem 24-Stunden-Sorglos-Service.

Wer das Elitäre und Besondere sucht, wählt The Brando, da hier die geringe Anzahl an Zimmern und das in Polynesien eh schon sehr hohe Preisniveau ein weiteres On-Top-Selektionskriterium schafft. Aber dafür ist man nach dem Anflug im Privatflugzeug ab Papeete auf das Eiland Tetiaroa auch in einem erlesenen Kreis, zu dem auch einmal Barack Obama mit seiner Familie gehörte, der hier Teile seiner Memoiren schrieb.

Was die Franzosen für Polynesien, sind die Amerikaner für Hawaii und Amerikanisch-Samoa. Der US-Einfluss ist unverkennbar und der Lifestyle auf den Hauptinseln ist eben durch und durch amerikanisch. Honolulu ist eine amerikanische Grossstadt, daran kann auch der kleine aufgeschüttete Hausstrand namens Waikiki Beach kaum etwas ändern.

Aber auch auf Hawai ist so wie überall in Polynesien. Geht man von Honolulu weg ins Hinterland von Oahu oder auf eine der anderen Inseln (Maui, Big Island Hawaii, Kauai oder gar Molokai), ist der Charakter oft schon ganz anders. Abhängig natürlich immer davon, wo man sich auf der jeweiligen Insel aufhält. Auch den kleinen versteckten Strand kann man finden, wenn man nicht wie alle den „Geheimtipps“ der Reiseführer folgt, sondern eher mal einen Einheimischen fragt.

Nicht nur eine politische, sondern in Grenzen auch eine gewisse kulturelle Unabhängigkeit haben sich Samoa, Tonga und die Cook Inseln bewahrt. Natürlich sind allenthalben die westlichen Einflüsse unverkennbar, aber die einfache Unterkunft in Strandnähe ist hier noch eher zu finden als auf vielen anderen Inseln Polynesiens. Aitutaki, eine der Cook-Inseln, ist kürzlich zur schönsten Südsee-Insel gewählt worden, unter anderem auch weil sie frei von grösseren Hotels ist. Was deshalb für Rucksack-Touristen das Paradies sein mag, bedeutet für Reisende mit höheren Ansprüchen, dass die Infrastruktur machmal nur auf den Hauptinseln halbwegs zufriedenstellend ist und höherklassige Hotels eher Mangelware sind.

MELANESIEN

Auf einer Pazifik-Fläche von fast 1 Million Quadratkilometern verteilen sich in Melanesien die selbstständigen Staaten Papua-Neuguinea, Salomonen, Vanuatu und Fidschi sowie das zu Indonesien gehörende Westneuguinea, das französische Überseeland Neukaledonien und die fest zum australischen Bundesstaat Queensland gehörigen Torres-Strait-Inseln.

Papua-Neuguinea, die Salomonen und Vanuatu bieten eine wunderschöne, oft sehr gebirgige Landschaft, gehören gemessen am durchschnittlichen Einkommen aber zu den sehr armen Ländern der Welt. Landwirtschaft und Fischerei dominieren, der Tourismus steckt noch in den Kinderschuhen. Asphaltierte Strassen gibt es nicht oder nur nahe der Hauptstädte oder Häfen, Manche Gebiete der Inseln sind bis heute nur zu Fuss oder mit Lasttieren erreichbar. Vanuatu wurde zu allem Unglück 2015 von einem Zyklon zu 95 Prozent zerstört. Unabhängig davon liegt die Vanuatu-Insel Efate unter den schönsten Südsee-Inseln auf Platz 2.

Im Hinblick auf Infrastruktur und Tourismus ist das bei Franzosen, Japanern und Australiern beliebte Neukaledonien bereits deutlich weiter entwickelt. Neben einem relativ guten Strassennetz entstehen auch mehr und mehr höherklassige Hotels bis in den 4- oder selten 5-Sterne-Bereich, wobei deren Qualität aber noch nicht Hotels gleicher Kategorie weltweit entspricht. Wer dies akzeptiert, hat auf dieser wie auf den anderen melanesischen Inseln deutlich weniger Massentourismus als in Polynesien und entsprechend höhere Chancen auf den idyllischen, menschenleeren Strand.

Noch einen Schritt weiter ist Fidschi. Auf der fidschianischen Hauptinsel Viti Levu sind schon seit Jahren die grossen Hotelketten vertreten, die ein beliebtes Ziel australischer Urlauber sind. Gerade auf Fidschi gibt es nun aber immer mehr kleinere Inseln, auf denen sich private Luxus-Resorts mit 4 bis 5-Sterne-Niveau ansiedeln und das unter Beachtung überzeugender Nachhaltigkeitskonzepte. Da alle diese Inseln aber nicht von einem schützenden Riff oder Atoll umgeben sind, gibt es hier nur ganz selten die gerade von Honeymoonern so begehrten Wasserbungalows. Nichtsdestoweniger hat man überall natürlich Südsee-Flair pur. Nicht umsonst sind Fidschi-Inseln wie zum Beispiel Nanuya („Die blaue Lagune“) und Mondriki („Castaway -Verschollen“ mit Tom Hanks) beliebte Filmkulissen.

MIKRONESIEN

Nördlich von Melanesien liegt das 7 Millionen Quadratkilometer umfassende Gebiet Mikronesiens, der „Kleinen Inseln“. Die Distanz der äussersten Inseln beträgt mehr als 4000 Kilometer.

Inselgruppen Mikronesiens sind Guam, die Republik Palau die Nördlichen Marianen, die Marshallinseln und Kiribati. Mag davon der ein oder andere vielleicht schon etwas gehört haben, klingen die Namen weiterer Staaten Mikronesiens schon sehr befremdlich - Yap, Chuuk, Pohnpei und Kosrae. Jede dieser Inselgruppen hat ihre eigenständige Kultur, Sprache und Geschichte.

Alle mikronesischen Inseln werden vielfach als „wahres Naturmuseum“ hauptsächlich in den Lagunen und unter Wasser bezeichnet. Auch an Land im Dschungel sind viele historische Zeugen der Ureinwohner, aber auch der wechselnden Kolonialmächte zu entdecken. Die Kombination von Naturereignissen, verschiedenen Kulturen, Gebräuchen und von Menschenhand verursachten Konflikten und ihre Hinterlassenschaften machen Mikronesien zu weltbekannten und interessanten Zielen für Taucher. Diese stellen auch die grösste Touristengruppe in ganz Mikronesien. Die Unterkünfte auf den Inseln sind durchgehend sehr einfach oder erreichen bestenfalls ein 4-Sterne-ähnliches Niveau. Auf dem Papier beanspruchen vereinzelte Hotels auf der amerikanisierten Insel Guam 5 Sterne für sich, wobei dies vielleicht allenfalls in der Einschätzung der auf der dortigen Air Force Base stationierten Soldaten und ihrer Familien zutrifft.

Quelle: http://www.hdiehl.de/bilder/karten/karte_bd.htm

ALLGEMEINES ZUR SÜDSEE

ANREISE. Von Mitteleuropa aus erreicht man Mikronesien und Melanesien einschliesslich Fidschi am besten mit einer Flugverbindung nach Osten. Französisch-Polynesien, die Osterinsel, Galapagos und Hawaii sind überwiegend mit einem Flug nach Westen erreichbar. Bei allen anderen Inseln können beide Richtungen gegeben sein. Da man sowohl für den Hinweg fast zwei Reisetage einplanen muss und das Gleiche für den Rückweg, ist es sinnvoller, hinzu wie zurück die Südsee mit einer Zwischenetappe in einer Destination unterwegs zu verbinden, was ja kein Pflichtstopp-Over, sondern eine echte Bereicherung der Reise auf die andere Seite der Welt sein kann. Und am besten bindet man die Südsee in eine Reise um die Welt ein.

UNTERKÜNFTE. Fast überall in der Südsee muss man sich entscheiden - viel Ursprünglichkeit oder hochklassige Luxushotels, die Kombination gibt es eigentlich nicht. Vielleicht ist Fidschi am ehesten dabei, diesen Spagat zu schaffen. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass es fast überall in der Südsee Kreuzfahrten unterschiedlichster Dauer und Qualität gibt, die fast jeden Anspruch befriedigen können.

BESTE REISEZEIT. Eigentlich gibt es diese nicht. Immer ist es überwiegend warm und immer kann es mal regnen. Aber natürlich gibt es Zeiten, wo dies wahrscheinlicher ist. Deshalb wird für die meisten Inseln als Reisezeit April/Mai bis Oktober/November empfohlen, Tonga eher Juni bis August und Mikronesien Dezember bis April.

AKTIVITÄTEN. Tauchen und Schnorcheln sind die Top-Sportarten überall in der Südsee mit entsprechenden Möglichkeiten. Nicht überall sind aber die erforderlichen Qualitätsstandards und Sicherheits-Backups wie Überdruckkammer etc. gegeben, weshalb sich Taucher vorab gut informieren sollten. Segeln, Kayaking, Rafting, Mountainbiking und Wandern mit und ohne Guide) sind weit verbreitet.

BUDGET. Die Südsee gehört zu den teuersten Urlaubsregionen der Welt. Mal ganz abgesehen von der bereits sehr kostenintensiven An- und Abreise schlagen die Preise für die Unterkunft ganz erheblich zu Buche. Natürlich kann man in Mikronesien oder Melanesien in einem einfachen Homestay günstig wohnen, wenn man seine Ansprüche stark reduziert. In einem Luxus-Resort auf Fidschi oder Bora-Bora investiert man pro Nacht ab 600 bis 800 Euro, wobei dabei oft noch keine Verpflegung integriert ist. Für eine 1-Bedroom-Villa für zwei auf The Brando liegt man in der Hochsaison bei 4100 Euro plus Steuern pro Nacht, hat damit aber vielleicht ein ganz grosses Stück vom Paradies mit erworben.

Aber wo und wie man das Paradies findet, das kann letztendlich nur jeder ganz individuell für sich selbst entscheiden.

© Travel-Edition

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